Vom 26. Mai bis zum 3. Juni 2026 nahm ich an der Master MINT Sonderexpedition „Meeressäuger auf Pico“ auf den Azoren teil. Diese Reise verband wissenschaftliches Arbeiten mit spannenden Naturerlebnissen und zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der Schutz unserer Meere ist.
Das Forschungsteam bestand aus zwölf Jugendlichen. Neben mir nahmen noch zwei weitere Schülerinnen aus Rheinland-Pfalz teil. Außerdem kamen eine Teilnehmerin aus Österreich und ein Teilnehmer aus Südtirol mit. Die übrigen Teilnehmenden kamen aus verschiedenen Regionen Deutschlands.
Die Reise begann mit einem kurzen Treffen im Forschungsinstitut in Heidelberg. Nach einem ersten Kennenlernen fuhren wir mit dem Bus zum Flughafen Frankfurt und flogen von dort nach Lissabon. Nach sechs Stunden Aufenthalt am Lissaboner Flughafen flogen wir weiter auf die Insel Horta, auf den Azoren. Von dort ging es mit der Fähre auf die kleinere Insel Pico, auf der auch unsere Unterkunft lag, die wir nach einer weiteren Busfahrt schließlich erreichten.
Die portugiesische Insel Pico, die zur Inselgruppe der Azoren mitten im Atlantischen Ozean gehört, zählt zu den besten Orten weltweit, um Wale und Delfine in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Insgesamt wurden dort bereits mehr als 25 verschiedene Wal- und Delfinarten gesichtet. Durch die besonderen Meeresströmungen und die enorme Wassertiefe direkt vor der Küste finden viele Meeressäuger hier ideale Lebensbedingungen.
Ein zentraler Bestandteil der Expedition war die wissenschaftliche Arbeit. Ziel war es, die Meeressäuger nicht nur zu beobachten, sondern auch möglichst viele Informationen über sie zu sammeln. Bei den Bootsausfahrten lernten wir, wie verschiedene Wal- und Delfinarten unterschieden werden können und welche Merkmale dabei wichtig sind. Besonders die Form der Rückenflosse, die Größe der Tiere und ihr Verhalten geben Hinweise auf die jeweilige Art.
Mit kleinen Booten fuhren wir hinaus auf den Atlantik. Die Suche nach den Meeressäugern erfolgte in Zusammenarbeit mit den sogenannten „Vigias“. Sie sind Beobachter, die von Aussichtspunkten am Land mit Ferngläsern Ausschau nach Blasfontänen oder auffälligen Bewegungen auf der Wasseroberfläche halten. Entdecken sie Wale oder Delfine, geben sie die Position an die Boote weiter.
Während der Beobachtungen dokumentierten wir alle wichtigen Informationen über die Tiere. Dabei konnten unterschiedliche Verhaltensweisen beobachtet werden. Manche Delfine schwammen verspielt neben dem Boot und sprangen aus dem Wasser. Besonders beeindruckend war die Beobachtung von Pottwalen, die nach etwa zehn Minuten an der Oberfläche ihre charakteristische Schwanzflosse zeigten und dann bis zu 2.000 Meter tief abtauchen, um nach Nahrung wie beispielsweise Tintenfischen zu suchen.
Diese Arten konnten wir beobachten:

Pottwal (Physeter macrocephalus): Der Pottwal ist das größte Zahnwal-Tier der Welt. Männchen können bis zu 20 Meter lang werden und über 50 Tonnen wiegen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Tintenfischen und Tiefseekalmaren und können bis zu 2.000 Meter tief tauchen. Dabei lassen sie ihre Jungtiere an der Wasseroberfläche, da diese meist noch nicht so tief tauchen können. Dies war ein Vorteil für uns, da wir so die Chance hatten einige Pottwal-Jungtiere von Nahem zu sehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Tiere senkrecht abtauchen. Dies führt dazu, dass sie an der Stelle, an der sie abtauchen, auch wieder auftauchen. Wenn man also etwa eine Stunde, nachdem der Wal abgetaucht war, wieder an der derselben Stelle wartet, hat man die Möglichkeit, denselben Wal erneut zu sehen. Gerade rund um Pico werden Pottwale besonders häufig gesichtet. Deshalb waren sie auch die wichtigste Art für die historische Waljagd auf den Azoren.
Gemeiner Delfin (Delphinus delphis): Diese Delfine leben oft in großen Gruppen und sind für ihre Sprünge und ihre Neugier gegenüber Booten bekannt. Sie gehören zu den häufigsten Delfinarten der Region.
Große Tümmler (Tursiops truncatus): Sie sind vielen Menschen durch Filme und Dokumentationen bekannt. Große Tümmler gelten als sehr intelligent und verfügen über komplexe soziale Strukturen.
Rundkopfdelfin (Grampus griseus): Sie sind etwas größere Delfine mit einem großen, runden Kopf und einer oft von hellen Narben gezeichneten dunkelgrauen Haut. Sie leben oft in kleineren Gruppen und jagen in tieferen Gebieten nach Tintenfischen.
Streifendelfin (Stenella coeruleoalba): Man erkennt sie leicht an ihren auffälligen, dunklen Streifen an den Seiten. Sie sind sehr schnelle und verspielte Schwimmer und leben oft in großen Gruppen. Sie gehören zu den häufigsten Delfinarten im Atlantik.
Ein besonders interessanter Teil der Expedition beschäftigte sich mit der Geschichte der Insel. Heute steht Pico für nachhaltigen Tourismus und Naturschutz. Früher sah die Situation jedoch ganz anders aus. Der Walfang wurde besonders im 19. Jahrhundert sehr wichtig für die Wirtschaft. Viele Familien waren direkt oder indirekt davon abhängig. Die Azorer fuhren mit kleinen Ruderbooten (Canoas), mit sieben Mann Besatzung und Harpunen los, um vor allem Pottwale zu jagen. Dafür gab es mehrere Gründe. Ein Grund war das Walöl. Aus dem Fett der Wale wurde Öl gewonnen. Dieses wurde als Brennstoff für Lampen, Schmiermittel für Maschinen und Rohstoff für verschiedene industrielle Produkte genutzt. Ein anderer Grund war das Spermaceti/Walrat. Dies ist eine wachsartige Substanz aus dem Kopf des Pottwals. Es wurde für hochwertige Kerzen, Salben, Kosmetik, Polituren und technische Schmierstoffe genutzt. Kerzen aus Spermaceti galten als besonders hell und rußarm.
Die Waljagd war gefährlich und körperlich sehr anstrengend. Sobald die Vigias vom Land einen Wal entdeckten, ruderten mehrere Männer in kleinen Ruderbooten hinaus aufs Meer. Der Harpunier stand am Bug und versuchte, den Wal aus nächster Nähe mit einer Handharpune zu treffen. Wurde das Tier getroffen, zog es die Boote oft mit hoher Geschwindigkeit hinter sich her. Diese sogenannte „Schlittenfahrt” konnte für die Männer lebensgefährlich werden. Starb der Wal an Erschöpfung, wurde er an Land gebracht und verarbeitet. Fast alle verwertbaren Teile wurden genutzt.
Die Arbeit war hart und riskant, stellte aber für viele Menschen die wichtigste Einnahmequelle dar. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gingen die Walbestände weltweit stark zurück. Gleichzeitig änderte sich die Einstellung der Menschen gegenüber diesen beeindruckenden Tieren. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, dass Wale hochentwickelte Lebewesen mit komplexem Sozialverhalten sind. Internationale Schutzmaßnahmen wurden eingeführt. Auf den Azoren wurde der Walfang schließlich 1987 endgültig beendet. Die ehemaligen Walfänger mussten neue Wege finden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Viele nutzten ihr Wissen über die Tiere und das Meer und arbeiteten später im Bereich des Walbeobachtungstourismus.
Ein weiteres besonderes Erlebnis war der Besuch einer Vulkanhöhle auf Pico. Die Höhle ist eine sogenannte Lavaröhre, die sich bildete, als die äußere Schicht eines Lavastroms erstarrte, während die Lava im Inneren weiterfloss. Auch die Insel Pico entstand durch Vulkanausbrüche. Ihr Wahrzeichen ist der Vulkan Pico, der mit 2.351 Metern gleichzeitig der höchste Berg Portugals ist. Das Lavagestein spielt auf Pico auch eine wichtige Rolle im Weinbau. Die Weinreben wachsen zwischen Mauern aus schwarzem Basalt, die die Pflanzen vor Wind und salzhaltiger Meeresluft schützen und die Wärme der Sonne speichern, wodurch die Weinreben optimale Wachstumsbedingungen vorfinden.
Während der Expedition hatten wir außerdem die Möglichkeit, an einem Tauchkurs teilzunehmen. Da ich meinen Tauchschein bereits besaß, begleitete ich die Gruppe unter Wasser, um Fotos von der faszinierenden Unterwasserwelt der Azoren und der anderen Teilnehmer zu machen. So konnte ich ihre ersten Momente unter Wasser festhalten.
Für mich war diese Expedition eine einmalige Erfahrung. Es ist etwas völlig anderes, Wale und Delfine nicht nur aus Büchern oder Filmen zu kennen, sondern ihnen in freier Natur zu begegnen. Wenn plötzlich eine riesige Blasfontäne neben dem Boot auftauchte oder eine Gruppe Delfine neben dem Boot herschwamm, wurde deutlich, wie faszinierend unsere Meere sind und wie wichtig es ist, sie zu schützen.
Die Expedition nach Pico war eine Reise voller Abenteuer, neuer Erkenntnisse und unvergesslicher Begegnungen. Sie machte deutlich, wie eng Geschichte, Wissenschaft und Naturschutz miteinander verbunden sind. Wo früher Wale gejagt wurden, stehen heute ihre Erforschung und ihr Schutz im Mittelpunkt. Die Reise hat gezeigt, dass der Mensch aus den Fehlern der Vergangenheit lernen kann. Die Verantwortung für die Zukunft unserer Ozeane liegt bei uns allen, damit auch kommende Generationen die Giganten der Meere in ihrer natürlichen Umgebung erleben können.
Mein herzlicher Dank gilt neben meiner Schule auch dem Ada-Lovelace-Projekt Förderverein e.V., der ASA Selection GmbH, der D&M KG, dem Förderverein GiK e.V., dem Hotel Zugbrücke Grenzau, der Knöllinger Keramische Verschleißteile GmbH, der RASTAL GmbH & Co. KG, der Stadt und Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, der Steuler Holding GmbH sowie der WEPA Apothekenbedarf GmbH & Co. KG, die meine Teilnahme an der Master- MINT-Sonderexpedition unterstützt haben. Ohne ihre großzügige Hilfe wäre diese einmalige Erfahrung für mich nicht möglich gewesen.